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Interview mit Daniela Schreiter

aka

www.fuchskind.de

Daniela ist Asperger-Autistin, die einen Comic gezeichnet hat um uns ihr Leben, ihre Gefühle und ihre Sicht des Lebens näher zu bringen. In ihrem ersten Comic in Buchform "Schattenspringer" (und hier bin ich beeindruckt von Panini, dass sie dies gewagt haben) zeichnete sie Szenen aus ihre Kindheit bis hin zum jungen Erwachsenenalter auf und zeigt, welche Hürden es dabei für sie zu meistern gab, von denen Nicht-Autisten nicht einmal ahnen, dass sie überhaupt existieren. Und auf faszinierende Weise findet sich der Leser mehr als einmal in den von ihr beschriebenen Situationen wieder.
Autismus bei Mädchen und Frauen scheint noch immer keine größere Beachtung in der sogenannten Fachwelt zu finden und ich hoffe, dass Daniela mit ihrem Comic hierbei etwas bewegen kann, denn nach wie vor ist der „typische Autist“ männlich, Frauen stellen allenfalls eine kleine Minderheit in der Minderheit dar, was der Wirklichkeit keinesfalls entspricht.

Dieses Interview führte ich April/Mai 2014 mit Daniela Schreiter. Ich habe in ihr einen sehr netten und offenen Menschen kennengelernt, der einen bleibenden Eindruck und viele neue Erfahrungen bei mir hinterlassen hat. Ich werde die Zeit mit Daniela während des Interviews nie vergessen.

Danke Daniela, du hast zumindest bei mir etwas ganz Großes bewegt!

Klaus:
Hallo Daniela, schön daß du dir die Zeit für meine Fragen nimmst.
Was mich als erstes interessieren würde:
Ich finde den Stil und den Ausdruck deiner Zeichnungen und die Figuren sehr ansprechend und vor allem den Fuchs liebe ich. Wie kamst du denn zum Zeichnen oder wäre auch das reine Schreiben für dich eine auch Option gewesen?

Daniela:
Seit ich denken kann, habe ich gemalt und gezeichnet. Ich habe wirklich alles voll gekritzelt und damit meine ich wirklich ALLES, auch den teuren Wohnzimmerschrank meiner Eltern. Mit vier Jahren habe ich dann meinen ersten kleinen Comic (über die Glücksbärchis, die ich damals sehr liebte) gezeichnet. Mit Zeichnungen, Bildern und Comics konnte ich mich schon damals viel besser ausdrücken als mit Worten und das ist bis heute so geblieben. Ich liebe es Geschichten zu erzählen, aber mit Worten alleine fällt es mir oft unglaublich schwer... Kommen jedoch Bilder hinzu, überbrücken sie diese Kommunikationsbarriere und auf einmal kann ich das mitteilen, was mir vorher nicht gelang, das gilt besonders für Emotionen. Reines Schreiben wäre für mich keine Option, höchstens in der Art, wie es Walter Moers macht: eine Art Bilder-Roman.

Klaus:
Wann wurde eigentlich die Diagnose gestellt, daß du Asperger-Autistin bist gestellt, hattest du es schon vorher vermutet und hat sich dein Leben nach der Diagnose großartig verändert?

Daniela:
Anfang 2009 bekam ich die Diagnose. Ich hatte schon vorher von Asperger gehört und ja, die Vermutung war vorhanden, da es auf einen Schlag alles in meinem Leben erklärte.
Seit der Diagnose ist mir bewusst, warum ich so bin, wie ich bin und dass das auch völlig in Ordnung ist. Ich wusste nun, dass ich nicht der einzige Mensch auf der Welt bin, dem es so geht, das half mir enorm. Andererseits brauchte ich auch einige Zeit, die Diagnose für mich zu verarbeiten. Ich verlief verschiedene Phasen, bis ich sie endlich für mich komplett angenommen habe.

Klaus:
Du hast ja auch ein großes Interesse an Astronomie, Quantenphysik und ähnlichen wissenschaftlichen Themen. Erste Comic-Escapaden hierzu gibt es ja schon mit dem grünen Fuchs Nyno im Spektrum Neo. Können wir auch irgendwann ein Comic erwarten, daß vor allem Kindern einen interessanten und tieferen Einblick in die Wissenschaft erlauben wird?

Daniela:
Das würde mich sehr freuen. Wer weiß, vielleicht findet ein Verlag die Idee so gut, dass ein ganzes Buch daraus wird. Geplant ist hierzu aber noch nichts.

Klaus:
Da du in deinen Geschichten mehrfach schon einen absolut süßen Fuchs eingebaut hast, interessiert mich natürlich die Frage, ob du ein besonderes Verhältnis zu Tieren hast, insbesonders zu Wildtieren.

Daniela:
Ja, sehr. Tiere waren für mich schon immer Freunde, seit ich denken kann. Ich wurde in eine Familie mit einem Hund und mehreren Katzen hineingeboren und so war es für mich immer selbstverständlich, Tiere um mich herum zu haben. Im Gegensatz zur Gesellschaft von Menschen, habe ich die von Tieren immer ertragen und genießen können. Ich liebte es auch schon als Kind, wilde Tiere zu beobachten und ganz still darauf zu warten, dass sich vielleicht ein Vogel oder Eichhörnchen in meine Nähe traut. Füchse habe ich als Kind auch manchmal gesehen, aber nur aus der Ferne. Erst, seit dem ich näher am Stadtkern wohne, kreuzen Füchse im wahrsten Sinne des Wortes ganz nah meinen Weg, auch wilde Kaninchen gibt es hier zu Hauf.
Wildtiere haben mich schon immer fasziniert, ich habe als Kind sehr viele Tier-Dokumentationen gesehen und mir oft vorgestellt, sie selbst auch einmal zu erforschen. Zoos fand ich hingegen schon als Kind sehr bedrückend, besonders die Käfige für Großkatzen und Menschenaffen. So sehr ich Tiere liebte, SO wollte ich sie nicht sehen, sondern lieber in Freiheit, in Dokumentationen, in ihrem natürlichen Lebensraum. Als Erwachsene bin ich noch zweimal in den Zoo gegangen, danach nie wieder. Meine Eindrücke als Kind haben sich auch aus dem erwachsenden Blickwinkel nicht verändert.

Klaus:
Was war der Hintergrund, dass nur ein Teil der Seiten in Farbe abgelegt sind?

Daniela:
Der Vorschlag kam vom Verlag. Mein Comic war eigentlich komplett schwarz/weiß angelegt, nichts ungewöhnliches im Bereich der Graphic Novels. Der Großteil der Veröffentlichungen sind schwarz/weiß, da sie meistens einen größeren Umfang aufweisen als die typischen frankobelgischen Alben, die sich eher im Rahmen bis 48 Seiten bewegen. Panini hatte aber schon bei anderen Comics (wie Scott Pilgrim) gute Erfahrungen mit einer Coloration am Anfang des Comics gemacht. Der Leser bekommt so eine Vorstellung, wie die Farben angelegt sind und kann sie sich im Laufe der Novel "weiter denken". Eine komplette Coloration wäre aber zu kostspielig gewesen.

Klaus:
Hast du zu Kindern ein besseres Verhältnis oder einen besseren "Draht" als zu Erwachsenen?

Daniela:
Das ist ganz individuell. Als Kind hatte ich lustigerweise überhaupt keinen guten Draht zu anderen Kindern, eher zu Erwachsenen. Heute kann ich mit Kindern, die ähnliche Interessen wie ich haben (oder als Kind hatte), wie z.B. Bücher, Videospiele, Comics, Wissenschaft, Tiere etc. ganz gut kommunizieren und mich in sie hineinversetzen. Für viele Erwachsenen hingegen wirke ich meist entweder zu kindlich, wenn ich von den neusten Comics und Videospielen schwärme oder zu nerdig, wenn ich über Physik-Nachrichten o.ä. spreche (z.B. Kepler-186f! Hach...). Hier muss man ein bisschen suchen, bis man Gleichgesinnte trifft, aber auch dann kann der "Draht" glühen.

Klaus:
Ich möchte mich nun ganz herzlich für das sehr nette Interview mit dir bedanken und hoffe, dass man noch mehr von dir hören wird.

Und hier könnt ihr Schattenspringer bei Amazon bestellen

oder hier natürlich auch bei Panini